Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde das Leben für Jüdinnen und Juden in Deutschland zunehmend gefährlich. Viele sahen sich gezwungen, ins Exil zu gehen. Andere versteckten sich, nahmen sich das Leben oder wurden später in Konzentrationslager deportiert. Ein großer Teil der nicht-jüdischen Bevölkerung sah weg oder tat so, als seien diese Menschen einfach „verschwunden“. Die oft grausame Realität wollten viele nicht wahrhaben.
Um an diese Opfer zu erinnern, hat unser Verein „Sie waren Nachbarn“ im September in Moabit ein Projekt gestartet, das genau darauf aufmerksam macht. Geplant war, im gesamten Stadtteil Silhouetten von Menschen aufzustellen, die stellvertretend für die vertriebenen und ermordeten Jüdinnen und Juden stehen. Ergänzend dazu erzählt die Website DieVerschwundenen.de die Geschichten vieler Betroffener.

Im Schaukasten befinden sich zudem Übersetzungen auf Türkisch und Arabisch, um möglichst viele Menschen anzusprechen und das Projekt für ein breites Publikum zugänglich zu machen.
Auf der Stirnseite ist eine Karte von Moabit angebracht. Sie zeigt 1.932 Namen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die wir recherchieren und dokumentieren konnten.
Die Aktion erinnert an ihre Schicksale während des Nationalsozialismus und macht sichtbar, dass hinter jeder Zahl ein Mensch mit einer eigenen Geschichte steht.
Hier Downloaden Die Moabit-Karte mit Text
Die Verschwundenen
Ein Projekt des Vereins „Sie waren Nachbarn e.V.“ Rostocker Straße 32 10553 Berlin
Vor 1933 lebten weit mehr als 2.000 Jüdinnen und Juden in Moabit. Bis 1933 lebten sie weitgehend unbehelligt.
Nach der Machtübergabe an die Nazis änderte sich ihre Lage dramatisch.
Diskriminierende Gesetze erschwerten ihnen das Leben.
Hass und Hetze nahmen zu.
Plötzlich „verschwanden“ jüdische Nachbarn aus dem Haus und jüdische Kolleginnen kamen nicht mehr zur Arbeit.
Im Oktober 1941 begannen die Deportationen von etwa 55.000 Berliner Jüdinnen und Juden. Etwa 30.000 von ihnen wurden vom Güterbahnhof Moabit in die Ghettos und Vernichtungslager verbracht.
Die meisten überlebten die Torturen nicht.
Am Ende des Krieges war jüdisches Leben in Moabit praktisch ausgelöscht.
Mit der Aufstellung der Schattenfiguren „Die Verschwundenen“ wollen wir der Ermordeten gedenken. Lebensgroße schwarze Silhouetten stehen stellvertretend für die „Verschwundenen“.
Der QR-Code auf den Figuren führt zur Webseite: „DieVerschwundenen.de“
Hier sind ca. 2000 Namen von in Moabit lebenden Jüdinnen und Juden gelistet, die vor 1933 hier lebten. Von vielen haben wir deren Geschichte recherchiert und hier dokumentiert.
Nicht vergessen:
„Seid Menschen. Wir sind alle gleich. Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut.
Es gibt nur menschliches Blut“
(Margot Friedländer)
